Upcycling-Design

Foto: Kunstschule Oldenburg

 

Die Top-Adresse für Upcycling ist die DesignWerkstatt, eine pulsierende Stätte des nachhaltigen Designs. Artists in residence, junge internationale Designer*innen, kommen in die Stadt und entwickeln hier hochwertige und einzigartige Produkte unter Verwendung lokaler Ressourcen. Hier verbinden sich internationales Design, traditionelles Handwerk, Migra­tion und Region. Aktuell arbeitet hier Anastasia Lotikova – die Modedesignerin und Gewinnerin des Euro Fashion Awards 2016. Sie arbeitet ausschließlich mit Stoffresten aus der Modeindustrie und bereits vorhandenen Kleidungsstücken. Die Werkstatt und Aus­stellungsräume befinden sich in den Schlosshöfen, Eingang Häusing, direkt am Marktplatz.

Anastasia Lotikova hat in der aktuelle Ausgabe von KOSTBAR das Vorwort formuliert und ist natürlich auch in der REPARIERBAR aufgeführt. An dieser Stelle der Hinweis, dass ihr uns bitte auf den Reparaturbetrieb eurer Wahl hinweist (Email an info@repaircafe-oldenburg.de). Wir bekommen nur dann eine einigermaßen vollständige Übersicht über die Reparaturbetrieb in der Stadt, wenn ihr uns dabei unterstützt. Zurück zu Anastasia Lotikova. Sie schreibt in Sachen nachhaltigem Konsum folgendes:

Foto: Kunstschule Oldenburg

Die meisten von uns lieben Dinge, die unseren Alltag besonders machen. Und vielleicht kaufen wir deswegen in der Regel viel zu viel ein. Aber mit welchem Effekt? Man freut sich kurz über neue Sachen – und geht wieder einkaufen. Und dabei besitzt fast jeder von uns recht viel. Im Schnitt sind es 10.000 Dinge pro Person!

Da stellt sich die Frage ein: Brauche ich dies und jenes wirklich? Antworte ich mit „Nein!“, müsste sich als Konsequenz mein Konsumverhalten ändern. Und damit folgerichtig die Gesellschaft, Umwelt, Arbeitsbeding-ungen und so weiter. Es ist wie eine Kette. Aber den ersten Ring machen wir selber.

Als Modedesignerin habe ich mich für nachhaltige Mode entschieden. Ich kaufe keine neuen Kleidungsstücke und Stoffe, sondern gestalte sie ausschließlich aus Stoffresten aus der Modeindustrie oder bereits vorhandenen Kleidungsstücken. Früher hat man das aus der Not heraus gemacht, heute tue ich das wegen des Überflusses. Mit Upcycling-Design verlängere ich den Lebenszyklus der Kleidung.

Egal, ob billig oder teuer: Kleidung geht während der Produktion mit vielen gefährlichen Chemikalien auf Tuchfühlung. Diese Stoffe landen nicht nur in den Textilien, sondern vor allem im Wasser und in der Erde.

Ein Beispiel: In der gesamten Produktionskette werden für eine Jeans circa 11.000 Liter Wasser verwendet! Ein Thema, dem sich die Unternehmen annehmen müssten, um schonendere Verfahren zu entwickeln. Sie sehen aber, dass die von ihnen in Kauf genommene Umweltverschmutzung und schreckliche Arbeitsbedingungen keinen Einfluss auf den Verkauf haben. Und das Ziel der Industrie ist: eine große Marge. Sie produziert so günstig, wie es irgend geht, und verkauft so teuer, wie es möglich ist. Das Umstellen auf saubere und sozialverträgliche Produktionsweisen wird aber nicht kommen, wenn der Konsum dieser Produkte so exzessiv bleibt.

Ich empfehle, beim Shoppen aber noch weitergehende Fragen zu stellen:
Mag ich das Teil wirklich?
Wie lange werde ich es tragen? Ist das eine gute Qualität?
Wo wurde das produziert?
Ist das trendabhängig oder
ist das eine zeitlose Ästhetik?

Ich wünsche mir, dass Konsumenten mehr über viele unsichtbare Prozesse hinter jedem Produkt erfahren und bewusster damit umgehen. Jeder Einkauf stellt eine Stimmabgabe dar. In der Politik können wir nur alle vier Jahre unsere Stimme abgeben – als Konsumenten dagegen jeden Tag.

Ich wünsche euch eine bewusste Wahl!

 

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