Reparatur in der Postwachstumsökonomie

„Wer die Welt retten möchte, muss die Produkte retten.“ Mit diesem Satz begann der Volkswirt und Nachhaltigkeitsforscher Niko Paech seinen Vortrag im Rahmen der Reihe zur Reparatur Kultur. Paech lehrt und forscht an der an der Universität Siegen als außerplanmäßiger Professor  im Bereich der Pluralen Ökonomik. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem im Bereich der Umweltökonomie, der ökologischen Ökonomie und der Nachhaltigkeitsforschung. Paech hat in Deutschland den Begriff der „Postwachstumsökonomie“ geprägt und gilt als vehementer Verfechter einer selbigen.

Natürlich sei die Welt nicht alleine mit Reparaturen zu retten, meinte Paech, aber kurze Wege für den Klimaschutz seien schon sehr sinnig. Wenn die Lebensdauer von Gegenständen des täglichen Bedarfs verlängert wird und kein neues Produkt gekauft würde, für dessen Herstellung Ressourcen und Energie aufgebracht werden müsse, dann sei schon viel gewonnen. Das Reparieren in Reparier Treffpunkten biete zudem den Vorteil, dass der zunehmenden sozialen Entfremdung der Gesellschaft entgegengewirkt würde, weil sich die Menschen live und in Farbe begegnen und gemeinsam reparierten.

Paech geht davon aus, dass Nutzer*innen von Repair Cafés selber autonom in die Lage versetzt werden sollen, die Nutzungsdauerverlängerung von Produkten kraft eigenständiger Reparaturen zu gewährleisten. Denn wenn kein Wirtschaftswachstum mehr entsteht, wird die Wirtschaft schrumpfen. Die Menschen müssten dann in der Lage sein, mit viel weniger Produktion auszukommen. Die Befähigung einer Gesellschaft, Reparaturkulturen aufzubauen bedeutet auch, dass man genügsamer lebt. Das bedeutet, dass man bereit ist, sich vom Ballast des Konsums zu befreien.

„Wasch mir den Pelz, aber mach‘ mich nicht nass“: Die Energiewende ist für Paech krachend gescheitert, wenn nach wie vor aktuell in Deutschland 2,45 Mio. Barrel Erdöl täglich verbraucht würden und der Anteil der Erneuerbaren Energien im Netz nur 13,2% betrage. Die Globalisierung führe seit Jahrzehnten in ein doppeltes Energieproblem: die Produktion und den Transport. Die Verantwortung wird delegiert, so Paech, auf grünes Wachstum und eine ökologische Modernisierung. Einen kulturellen Wandel hält Paech für nötig und nicht ein immer tiefer gehender Glaube an die Technik. „Ich fordere einen Einstieg in eine Ökonomie des Reparierens“, so Paech und betrachtet Reparier Treffpunkte als eine gute Basis für diese.

„Wer glaubt, in einem physikalisch begrenzten Sys­tem für immer wachsen zu können, ist entweder ein Idiot oder ein Ökonom“, erinnerte Paech seine Zuhörer*innen mit diesem Zitat an an den US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Kenneth Boulding, der zu dieser Erkenntnis bereits 1966 gekommen ist. Seitdem haben wir die Grenzen unseres Sys­tems Erde mehrfach berührt und über­schritten, ohne daraus zu lernen. Die Art, wie unsere Gesellschaften wirtschaften, ist auf keinen Fall zukunftsfähig. Es braucht also eine neue Lust an der Genügsamkeit, wenn überbordender Wohlstand zum Feind des Wohlstands wird. Es gilt Dinge zu reparieren, Dinge gemeinschaftlich zu nutzen und vor allem möglichst lange zu nutzen. „Machen wir uns also auf den Weg die Welt zu retten, indem wir Gegenstände reparieren“, so Paech in seinem Fazit.

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