Wirtschaft reparieren durch Nähe

Repair Cafe, Foto: Barthel Pester

Konjunkturforscher sind zu Beginn eines jeden Jahres stark nachgefragt. Denn landauf landab werden sie zu wirtschaftlichen Wachstumsprognosen befragt. Investitionswachstum, konjunkturelle Dynamik oder Kapazitätsauslastung sind drei willkürlich ausgesuchte Begriffe, die den zentralen Begriff unseres kapitalistischen Wirtschaftssystems symbolisieren: Wachstum. Doch es mehren sich die Stimmen, die den regelrechten Wachstumswahn dieses Wirtschaftssystems als störend empfinden. Immer mehr, immer schneller, immer höher: Aus Wohlstand wurde Überkonsum, aus Arbeit Überarbeitung, aus staatlichen Leistungen Staatsverschuldung, aus halbwegs überschaubarer Ressourcennutzung Raubbau an der Natur.

Einen Ausweg aus dem vermeintlichen Wachstumszwang zeigt die Vortragsreihe zur Kultur des Reparierens. Marius Rommel ist am Mittwoch, den 09.01.2019 um 18.15 Uhr in der Freien Waldorfschule, Blumenhof 9 in 26135 Oldenburg, Gast dieser Vortragsreihe. „CSX – mit Solidarunternehmen die Wirtschaft reparieren“ ist der Titel seines Vortrags.

CSX bedeutet so viel wie ökologisch und sozial wertvolles Wirtschaften nach dem Modell der solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi). Bei einer SoLaWi, die nächst gelegene setzt die Hofgemeinschaft Grummersort mit drei Depots in Oldenburg um, tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. Durch den persönlichen Bezug zueinander erfahren sowohl die Erzeuger*innen als auch die Verbraucher*innen die vielfältigen Vorteile einer nicht-industriellen, marktunabhängigen Landwirtschaft.

CSX steht für Community Supported X, also Solidarunternehmen als eine zukunftsfähige Wirtschaftsgemeinschaft, als Baustein einer gemeinschaftsgetragenen Ökonomie. Das Prinzip der SoLaWi wird mittlerweile in Deutschland auf mehr als 100 Höfen angewendet und inspiriert als CSX inzwischen auch Handwerksbetriebe, Bäckereien, Restaurants, Brauereien und offene Werkstätten. Dadurch könnte schrittweise eine Ökonomie der Nähe entstehen und der wirtschaftliche Austausch wäre in den sozialen Kontext eingebettet. Im Zusammenspiel mit Energiegenossenschaften, Bürgeraktiengesellschaften, Ernährungsräten, Mietgärten, Regionalmärkten, Bioläden und vielem mehr könnte ein sich wechselseitig stabilisierender Wertschöpfungsraum aufblühen.

Marius Rommel ist Nachhaltigkeitsökonom am „ZOE. Institut für zukunftsfähige Ökonomien“ in Bonn und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt „nascent“ der Uni Oldenburg. Er setzt sich für die Wiedereinbettung ökonomischer Strukturen in den lokalen und sozialen Kontext ein.

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