Gemeinschaftspraxis Repair Café

Das hat schon etwas von einem Besuch bei deinem Hausarzt, wenn du vorhast, ein Repair Café aufzusuchen, um dir dort etwas reparieren zu lassen und dann musst du warten. Die Tage war das so im Repair Café im Stadtteiltreff Dietrichsfeld und auch im Repair Café in der Gemeinwesenarbeit Bloherfelde/Eversten. Die Atmosphäre ist natürlich eine ganz andere als bei einem Arzt, denn diejenigen, denen ein Gegenstand kaputt gegangen ist, sind ja nicht krank.

Die Besucher*innen eint, diesen Gegenstand, den sie zum Reparieren dabei haben, nicht wegzuschmeißen. Die Gründe sind so vielfältig, wie die Gegenstände, die unseren Alltag erleichtern sollen. Den einen Besucher*innen geht es ums Geld, dass sie bei einem Neukauf sparen. Den anderen geht es darum, dass sie nicht verstehen möchten, dass z.B. ein Bügeleisen, dass sie von einem namhaften deutschen Hersteller vor nicht einmal zwei Jahren gekauft haben, kaputt sein soll. Es gibt aber auch zunehmend Menschen, die aus Klimaschutzgründen ein Bewusstsein dafür entwickelt haben, dass durch den Neukauf eines Produktes weitere natürliche Ressourcen verbraucht werden und dass durch dessen Produktion Energie aufgewendet werden muss.

Eine weitere Motivation, einen Treffpunkt zum Reparieren aufzusuchen, ist, dass ich mit einem bestimmten Gegenstand Erinnerungen verbinde. Ein Radiogerät von 1961 beispielsweise, das mit dem ersten Lehrlingsgehalt bezahlt worden ist. Das schmeiße ich nicht einfach so gedankenlos weg. Daran hängt Mensch. Und selbstverständlich ist dieses knapp 60 Jahre junge Röhrenradio zu reparieren. Selbst ein gefalteter Schaltplan steckt noch akkurat drin. Während der Reparatur schwelgt Mensch in Erinnerungen an dieses erste Lehrlingsjahr und welchen Wert dieses für Mensch einmalige Gerät damals hatte und auch heute noch besitzt.

Da macht es dann auch nichts, wenn in der Bloherfelder Gemeinschaftspraxis Dr. Reinhard, Dr. Horst, Dr. Herbert und Dr. Peter einträchtig nebeneinander sitzend, gewartet wird. Die Kunden dieses Reparier Treffpunktes warten geduldig. Ein Kaffee, ein Stück Kuchen und die eigene Geschichte des Alltagsgegenstandes verbinden auf eine Art und Weise, die sinnstiftend wirkt.

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