Das Recht auf Reparatur

Das Recht auf Reparatur – über die politische Dimension einer Bewegung

Sind die knapp 1.000 bekannten Reparatur-Initiativen in Deutschland eine Reaktion auf politisches Versagen in Sachen Umgang mit Gebrauchsgütern? Können die jüngsten Ergänzungen der Ökodesignrichtlinie auf EU-Ebene bereits als Resonanz auf die Forderung auf ein „Recht auf Reparatur“ gedeutet werden? Und welchen Stellenwert hat gemeinsames, nicht-kommerzielles Reparieren als ökologisches Bewusstsein in alltagsrelevanter Form dabei – was tut sich, wenn man was tut?

Diese Fragen wird Tom Hansing, wissenschaftlicher Mitarbeiter der anstiftung, anlässlich seines Vortrages am Mittwoch, den 08.05.2019 um 18.15 Uhr in der Freien Waldorfschule, Blumenhof 9, 26135 Oldenburg seinem Publikum stellen und mit diesem beantworten.

Die anstiftung fördert, vernetzt und erforscht Räume und Netzwerke des Selbermachens wie z.B. urbane Gärten, offene Werkstätten oder Reparatur-Initiativen. Über das Netzwerk Reparatur-Initiativen schreibt die anstiftung: Reparatur-Initiativen (Reparatur-Treffs, Repair Cafés etc.) organisieren Veranstaltungen, bei denen defekte Alltagsgegenstände in angenehmer Atmosphäre gemeinschaftlich repariert werden. Dazu gehören elektrische und mechanische Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, aber auch Textilien, Fahrräder, Spielzeuge und andere Dinge. Diese Treffen sind nicht-kommerzielle Veranstaltungen, deren Ziel es ist, die Nutzungsdauer von Gebrauchsgütern zu verlängern und dadurch Müll zu vermeiden, Ressourcen zu sparen und nachhaltige Lebensweisen in der Praxis zu erproben. Interessierte und TüftlerInnen können dort Erfahrungen austauschen und eine gute Zeit miteinander verbringen. Daher sind Kaffee und Kuchen ebenso wichtiger Bestandteil wie Schraubenzieher und Lötkolben.

Passend hat dazu die Nordwest-Zeitung hat am 03.05.2019 einen Artikel mit der Überschrift „Zum Wegwerfen viel zu schade“ veröffentlicht, der eben auch die Frage stellt, warum Hersteller, ohne vom Gesetzgeber daran gehindert zu werden, immer mehr Hindernisse für die Reparatur von z.B. Haushaltsgeräten installieren. Private Initiative ist auf jeden Fall erwünscht und fällt auch immer mehr auf. In diesem Fall verschenken Menschen Sachen, die sie selber nicht mehr benötigen. Davon berichtet die NWZ am 05.05.2019 mit der Überschrift „Wenn das Wegwerfen zu schade ist“.

Der 2015 in Berlin gegründete sogenannte „Runde Tisch der Reparatur“ fordert zwar seitdem die Stärkung der Reparatur, die Senkung des Ressourcenverbrauchs und die lokale Wirtschaftsförderung, aber so lange die Hersteller nicht mit am Tisch sitzen, wird sich von dieser Seite her wenig ändern. Dass die Hersteller die Reparatur nicht im Blick haben ist schon verwunderlich, denn eine Studie des Umweltbundesamtes vom Januar 2019 bescheinigt Reparaturdienstleistungen eine gewichtige ökonomische Relevanz für das Handwerk. Sie repräsentieren 31 Milliarden Euro und damit rund 6 % des handwerklichen Gesamtumsatzes im Jahr 2014. Nun denn …

Deshalb wird Tom Hansing die politische Dimension einer zivilgesellschaftlichen Bewegung vorstellen, die immer mehr an Fahrt gewinnt.

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