Repair Cafés sind geschlossen.

Bleibt gesund und munter.

Das Aha-Erlebnis

Er steht in der Tür und hält einen Staubsauger in seinen beiden Händen. Der Zopfträger mittleren Alters schaut unschlüssig in die Räumlichkeiten des Repair Cafés. Es ist sein erster Besuch dort. Eine äußerst konzentriert wirkende Dame, an einer Nähmaschine sitzend, ermuntert den Mann einzutreten ohne den Kopf zu heben. „Elektrik ist hinter mir. Setzen Sie sich hin, Sie müssen warten, bis Sie dran sind“, weist sie ihn ein. Brav und ergeben folgt er ihrer Aufforderung und setzt sich hin.

Es ist sehr warm an diesem Montagnachmittag. Er hat sich beeilt an diesem Nachmittag, um rechtzeitig hier zu sein. Außerdem ist er mit dem Auto gekommen, um den Staubsauger praktischer transportieren zu können. Die Straßen waren voll zu dieser Uhrzeit, ein Parkplatz ein Wunsch, der nicht sogleich erfüllt wurde. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn und kommt so langsam an.

Um ihn herum: Drei Nähmaschinen rattern unentwegt, drei Reparateure widmen sich ihren technischen Herausforderungen. Am anderen Ende des geläufigen Raumes sitzt ein Kind an einem Tisch und kaut an einem Stift. Es versucht, sich den sprachlichen Herausforderungen zu stellen.

Ein älterer Herr steht auf, bedient die Spendendose, bedankt sich bei einem Reparateur und freut sich darauf, seiner Frau zu Hause davon zu erzählen, wo er gewesen ist und wie ihnen Beiden geholfen wurde: Der Rasentrimmer funktioniert.

Nun ist der Staubsauger dran. Ein paar Jahre sei der erst alt und schon macht er schlapp, lautet der Vorwurf. Der Beutel ist frisch gewechselt. Und es wäre ja gelacht, wenn das Rohr verstopft sei. Okay, dann wollen wir mal, formuliert der Reparateur abwartend. Die Industrie hat ihm heute schon so manchen Streich gespielt. Ein Massagegerät ließ sich nicht öffnen, obwohl alle Schrauben gelöst waren. Er hatte Sorge, die Ummantelung aus Plastik würde brechen. Was hatte sich der deutsche Markenhersteller dabei gedacht? Das Gleiche bei einem Föhn: Alle Schrauben gelöst, das Gehäuse bleibt verschlossen. Und nun dieser Staubsauger. Der Reparateur trennt den Sauger von seinem imponierend langenSchlauch und schaut hinein. Er sieht kein Licht an diesem warmen Nachmittag im Sommer. Er bittet um einen Besen. Das Gesicht des Zopfträgers errötet. Als der Besen erfolgreich den Schlauch von seiner Verstopfung erlöst hat, lachen beide herzhaft. Auch an den Nähmaschinen wird das herzhafte Lachen erwidert. Reparier Treffpunkte sind Orte, wo sich Menschen begegnen und gegenseitig aus der Patsche helfen.

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