Repair Cafés sind geschlossen.

Bleibt gesund und munter.

Der November Reparier-Blues

Iiihhh, ein Samstagmittag im November. Das Wetter typisch für einen November in Oldenburg: regnerisch, windig, knapp unter zehn Grad. Andererseits segeln in der Oldenburger Innenstadt große bunte Blätter von hohen, alten Bäumen auf Bürgersteige und Straßen. Herrlich einmalig und einzigartig vergänglich.

Gegen die Vergänglichkeit bereiten ein paar wenige Ehrenamtliche, noch ein wenig feucht auf ihren rosigen Wangen und Handflächen von der Hinfahrt auf ihren Fahrrädern, die Novemberausgabe des Repair Cafés in der Rosenstraße in den Räumlichkeiten der Oldenburger Werkschule e.V. vor. Zwei Erfahrene aus dem Orga-Team ertüchtigen gerade zwei Neulinge in Sachen Vorbereitung und Aufbau im Parterre, zweiten und vierten Stock, als eine ältere Dame mit Hut versucht, die Glastüre zu öffnen. Der schneidige Wind widersetzt sich ihren Bemühungen und das Öffnen der Türe mag ihr nicht recht gelingen. Sie hat nur eine Hand dabei frei, mit der anderen Hand trägt sie eine nicht ganz leichte Tasche, so sieht es aus. Ihr Gesichtsausdruck verrät, wie sehr ihr der Wind und der Regen und die Last zusetzen. Sie schaut entschuldigend über ihre Schulter, ihr Blick gezeichnet von einem schlechten Gewissen, hinter ihr steht ein Mann, ebenfalls mit Hut, seine Hände klammern sich an einen Rollator.

Drinnen in der Werkschule ist es angenehm warm, die Stimmung angeregt, die Neuen ein wenig aufgeregt und voller Tatendrang. Einer Stimme entfährt es leise, dezent vorwurfsvoll: „Was wollen die denn schon hier? Es ist kurz nach zwölf Uhr Mittag, das Repair Café öffnet um 14 Uhr.“ Ein schlaksiger Junge geht eilig auf die Türe zu und öffnet sie vorsichtig nach außen und erntet einen dankbaren Blick der älteren Dame. „Wir haben in der Zeitung gelesen, dass Sie reparieren. Sind wir hier richtig?“, fragt sie zögerlich, denn ihrem fragenden Blick erschließt sich nicht der Hauch einer Werkstatt. Das Erdgeschoß gähnt regelrecht vor Leere zu diesem Zeitpunkt. „Wenn Sie das Repair Café gesucht haben, sind Sie am Ziel“, beantwortet der Junge die Frage entschieden. „Wir öffnen zwar erst um zwei, aber kommen Sie rein.“ Er hält die Türe geöffnet und das Ehepaar verlässt den Herbst. Geschwind sind zwei Stühle herbei gezaubert und erleichtert nehmen die Beiden Platz. Sie entschuldigen sich dafür so früh gekommen zu sein. Das mit der Uhrzeit, tja, das hätten sie wohl verwechselt.

Zu Fuß sind die Beiden vom Bahnhof gekommen. Gegen den Wind und gegen den Regen. Ein kaputter Toaster ist der Anlass gewesen, an diesem Tag das Haus in Ahlhorn zu verlassen und auf große Fahrt nach Oldenburg zu gehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.